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Schon heute Realität

Über KI wird oft geredet, als wäre sie eine Prognose für später. Dabei rollen in deutschen Supermärkten längst Serviceroboter, scannen Algorithmen Verträge und federn Exoskelette schwere Lasten ab.

13 Fälle aus dem Alltag. Bei jedem dieselbe Frage wie im Puzzle: Was übernimmt die Maschine – und wo bleibt der Mensch?

01·Kaufmann/-frau im Einzelhandel·Ahlen, NRW

Roboter „Rob“ hilft Kund:innen im Supermarkt

Im REWE-Markt Gilke in Ahlen rollt ein autonomer Serviceroboter durch die Gänge: Er führt Kund:innen zu gesuchten Produkten, spielt Sonderangebote ab und entlastet das Personal von Standard-Fragen.

Quelle: Westfälische Nachrichten ↗

Video: SWR Landesschau Baden-Württemberg

Ein verwandter Fall: ein anderer Roboter, derselbe Alltag im Supermarkt.

Die Maschine

Wegeführung im Markt („Wo steht das Mehl?“), Navigieren durch Gänge und Ausspielen von Durchsagen.

Der Mensch

Warenpräsentation, Reklamationen, persönliche Beratung an der Frischetheke, Einräumen und die soziale Atmosphäre im Markt.

Zum Diskutieren

Nimmt der Roboter dem Verkaufspersonal die Arbeit weg – oder nimmt er die nervigsten Routinefragen ab, damit mehr Zeit für echte Kundengespräche bleibt?

02·Medizinische:r Fachangestellte:r·Bundesweit (u. a. Virchowbund Praxistests)

KI-Telefonassistenz und Vorab-Anamnese in der Arztpraxis

Immer mehr Praxen nutzen KI-gestützte Telefonassistenten (wie Aaron.ai oder Doctolib-KI) und digitale Aufnahme-Tools: Standardanfragen nach Rezepten und Terminen werden automatisch erfasst, während das Telefon nicht mehr dauerhaft klingelt.

Quelle: Virchowbund & Fachberichte ↗

Video: ZIB Magazin (ORF)

Beitrag aus Österreich, die Entwicklung ist dieselbe wie in deutschen Praxen.

Die Maschine

Telefonstimme nimmt Rezeptwünsche und Terminanfragen auf, transkribiert Symptome und sortiert sie strukturiert ins Praxissystem.

Der Mensch

Die direkte Betreuung nervöser Patient:innen im Wartezimmer, Blutabnahme, Assistenz bei Behandlungen und das Erkennen von echten Notfällen im Empfangsbereich.

Zum Diskutieren

Warum ist das Telefon in Praxen oft die größte Stressquelle für MFAs – und warum ist es für Patient:innen trotzdem wichtig, am Tresen von einem echten Menschen empfangen zu werden?

03·Hotelfachmann/-frau & Gastronomie·Zahlreiche Restaurants in DE (u. a. Pforzheim, Köln, Osnabrück)

Katzen-Roboter „BellaBot“ serviert im Restaurant

Serviceroboter mit Katzengesicht bringen schwere Tabletts mit bis zu vier Tellern gleichzeitig aus der Küche an den Tisch und fahren gebrauchtes Geschirr zurück zur Spülküche.

Quelle: Gastronomie & Regionalmedien ↗

Video: ZDF Drehscheibe (hochgeladen von Alpha11)

Die Maschine

Autonomes Navigieren zwischen engen Tischen mit Sensorik, schwere Teller tragen und repetitive Laufwege zwischen Küche und Gastraum abnehmen.

Der Mensch

Die herzliche Begrüßung, Weinberatung, Sonderwünsche aufnehmen, Beschwerden lösen und das Gefühl von Gastfreundschaft vermitteln.

Zum Diskutieren

Macht der Roboter das Restaurant unpersönlicher – oder ermöglicht er es den Kellner:innen erst, weniger gestresst bei den Gästen am Tisch zu sein?

04·Pflegefachkraft·BG Kliniken & Pflegeheime in DE

Aktive Exoskelette beim Heben und Betten in Kliniken

Pflegekräfte testen sensorunterstützte Exoskelette am Rücken, die beim Heben von Patient:innen und bei gebeugter Haltung bis zu 30 kg Last von der Lendenwirbelsäule nehmen.

Einordnung: Sensoren steuern die Unterstützung. Das ist Regelungstechnik, kein KI-Modell im engeren Sinn.

Quelle: Berufsgenossenschaft & Pflegeforschung ↗

Video: Projekt EXPERTISE 4.0

Die Maschine

Sensoren erkennen in Millisekunden die Körperbeugung und Motoren federn die mechanische Last bei schweren Hebebewegungen ab.

Der Mensch

Jede einzelne Berührung, das Eingehen auf Schmerzen, das Beruhigen von Patient:innen und das empathische Gespräch bei der Pflege.

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Warum können Roboter zwar beim Heben den Rücken entlasten, aber das eigentliche Waschen und Trösten niemals selbstständig übernehmen?

05·Tischler:in·Handwerkskammern & innovative Tischlereien

Cobots helfen beim Lackieren in Schreinereien

Kollaborierende Roboterarme (Cobots) lackieren in Tischlereien Fensterrahmen und Möbeloberflächen mit mikrometergenauer Gleichmäßigkeit – während der Meister nebenan Unikate entwirft.

Einordnung: Der Cobot fährt programmierte Bahnen ab. Das ist Automatisierung, keine KI im engeren Sinn.

Quelle: Deutsche Handwerks Zeitung ↗

Video: BM TV – Matthias checkt’s

Zeigt einen Cobot in der Schreinerei, nicht speziell das Lackieren.

Die Maschine

Stundenlanges, giftiges und monotones Spritzlackieren mit gleichbleibender Schichtdicke ohne Ermüdung.

Der Mensch

Holzauswahl, Maserungs-Beurteilung, kreativer Möbelentwurf, Kundenberatung vor Ort und die individuelle Montage beim Kunden.

Zum Diskutieren

Wird der Tischlerberuf durch Lackier-Roboter weniger handwerklich – oder befreit es Handwerker von gesundheitsschädlicher Monotonie?

06·Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte:r (ReNo)·Wirtschaftskanzleien in Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf

KI-Vertragsprüfung und Aktenanalyse in Großkanzleien

Spezialisierte juristische KI-Systeme durchforsten tausendseitige Vertragswerke in Sekunden nach strittigen Klauseln, Fristen und Haftungsrisiken.

Quelle: Legal Tribune Online (LTO) ↗

Video: Genius Bytes Software Solutions

Produktvorstellung eines Anbieters: zeigt, was die Technik kann, nicht wie unabhängig sie bewertet wird.

Die Maschine

Extrahieren von Klauseln, Abgleich mit Standardtexten, Auffinden von Widersprüchen in riesigen Aktenbergen.

Der Mensch

Verhandlungsstrategie vor Gericht, Mandantengespräche in emotional aufgeladenen Situationen, ethische Abwägungen und die juristische Endverantwortung.

Zum Diskutieren

Wenn eine KI Verträge in Sekunden scannt: Verändert sich dadurch der Einstieg für junge Jurist:innen und Fachangestellte, die früher genau das gelernt haben?

07·Berufskraftfahrer:in·HHLA & Fernride (Hamburg / Terminal Tallinn)

Lkw ohne Fahrer an Bord – gesteuert aus der Ferne

Das Münchner Start-up Fernride rüstet Zugmaschinen mit Kameras und Sensoren aus. Auf dem Gelände von Hafenterminals fahren sie ohne Fahrer an Bord, bei schwierigen Situationen steuert ein Teleoperator per Mobilfunk von einem Bildschirmarbeitsplatz aus.

Quelle: Verkehrsrundschau ↗

Video: European Investment Fund (englisch)

Die Maschine

Containerfahrten auf dem Terminalgelände, immer gleiche Strecken, Fahren bei Nacht und im Schichtbetrieb ohne Ermüdung.

Der Mensch

Eingreifen bei Sonderfällen aus der Ferne, Verantwortung für Ladung und Sicherheit, Fahren auf öffentlichen Straßen, Be- und Entladen sowie der Kontakt zu Kunden und Disponenten.

Zum Diskutieren

Wenn ein Mensch mehrere Lkw von einem Bildschirm aus betreut: Ist das noch Fahren – und wäre das ein Beruf, den du dir vorstellen könntest?

08·Taxi- und Fahrdienst-Fahrer:in·Hamburg

Selbstfahrender ID. Buzz bringt Fahrgäste durch Hamburg

MOIA, die Fahrdienst-Tochter von Volkswagen, testet in Hamburg den autonomen ID. Buzz AD. Ausgewählte, vorab registrierte Fahrgäste buchen ihn über die MOIA-App. Zunächst war ein Sicherheitsfahrer an Bord, der nur im Notfall eingreift – später soll er entfallen.

Quelle: AUTO BILD ↗

Video: SAT.1 REGIONAL

Die Maschine

Lenken, Bremsen und Spurwechsel im Stadtverkehr, Erkennen von Ampeln, Radfahrenden und Fußgängern, Routenplanung.

Der Mensch

Hilfe beim Einsteigen mit Rollator oder Gepäck, Ansprechperson bei Problemen und Notfällen, Ortskenntnis in Sonderlagen, ein Gespräch unterwegs.

Zum Diskutieren

Würdest du nachts allein in ein Auto ohne Fahrer steigen – und was müsste passieren, damit du dich sicher fühlst?

09·Koch/Köchin·REWE in Düsseldorf

Zwei Roboterarme kochen im Supermarkt

In einem Düsseldorfer REWE-Markt bereitet der KI-Roboter CA-1 hinter einer Glasscheibe Gerichte zu. Kund:innen wählen am Display eines von acht Gerichten, der Roboter schneidet, erhitzt, serviert und reinigt seine Utensilien selbst.

Quelle: Business Punk ↗

Video: RTL West

Die Maschine

Immer gleiche Rezepte nach Bestellung: Zutaten schneiden, braten, portionieren, servieren und die Küchenwerkzeuge säubern.

Der Mensch

Eigene Rezepte entwickeln, Geschmack abschmecken und anpassen, auf Unverträglichkeiten und Sonderwünsche eingehen, Menüplanung und Warenkunde, Improvisieren, wenn etwas fehlt.

Zum Diskutieren

Ein Roboter kocht acht Gerichte immer gleich gut. Was kann eine Köchin oder ein Koch, das darüber hinausgeht?

10·Landwirt:in·Höfe in Deutschland (Farming Revolution u. a.)

Autonomer Roboter jätet Unkraut ohne Chemie

Das Start-up Farming Revolution baut einen Feldroboter, der mit Hilfe von KI auf dem Acker Unkraut entfernt. Nach Angaben des Gründers rechnet er sich für Biobetriebe in ein bis zwei Jahren, für konventionelle Betriebe in drei bis fünf. Für kleinere Höfe gibt es ihn auch zur Miete.

Quelle: KfW Stories ↗

Video: BR – Schwaben + Altbayern

Die Maschine

Stundenlang Reihen abfahren, Bilder auswerten, Unkraut erkennen und gezielt entfernen, ohne Spritzmittel.

Der Mensch

Entscheiden, was wann angebaut wird, Boden und Wetter einschätzen, Technik warten und einrichten, Tiere versorgen, den Betrieb wirtschaftlich führen.

Zum Diskutieren

Der Roboter ersetzt Handarbeit auf dem Acker. Verändert das den Beruf eher in Richtung Technik – und wärst du dafür der richtige Typ?

11·Maurer:in·Wallenhausen, Bayern

Ein Mehrfamilienhaus aus dem 3D-Drucker

In Wallenhausen entstand ein Fünf-Familienhaus mit drei Stockwerken, dessen Wände ein 3D-Betondrucker Schicht für Schicht aufgebaut hat. Die reine Druckzeit lag bei 72 Stunden. Einschließlich Rüstzeiten waren es laut Bauunternehmer etwa fünf Wochen.

Einordnung: Der Drucker folgt einem vorgegebenen Bauplan. Das ist Automatisierung, keine KI: Er lernt nichts und entscheidet nichts selbst. Den Beruf verändert er trotzdem.

Quelle: Handwerksblatt ↗

Video: mobiheat Reportage

Die Maschine

Die Wände präzise Schicht für Schicht drucken und dabei Öffnungen für Fenster, Türen und Leitungen aussparen.

Der Mensch

Baustelle einrichten, Drucker aufbauen und bedienen, Decken und Bodenplatte als Fertigteile einsetzen, Fenster, Türen, Elektrik und Ausbau, Qualität prüfen.

Zum Diskutieren

Wenn die Wände gedruckt werden: Was an einer Baustelle braucht trotzdem Menschen mit Erfahrung?

12·Bankkaufmann/-frau·Sparkassen in Deutschland

KI-Assistent unterstützt Berater:innen in der Sparkasse

Der IT-Dienstleister der Sparkassen hat den KI-Assistenten „S-KIPilot“ ausgebaut. Er ist tief in das Kernbankensystem eingebunden und soll Berater:innen unter anderem bei der Vorbereitung von Gesprächen unterstützen.

Quelle: IT Finanzmagazin ↗

Video: WU Wien

Allgemeiner Beitrag zu KI im Bankwesen aus Österreich, nicht speziell zum Sparkassen-Assistenten.

Die Maschine

Kundendaten zusammenfassen, Informationen zu Konten, Umsätzen und Verträgen aufbereiten und Gespräche vorbereiten.

Der Mensch

Das Beratungsgespräch selbst, Vertrauen aufbauen, die persönliche Lebenssituation verstehen, Verantwortung für die Empfehlung und der Umgang mit Kund:innen in Krisen.

Zum Diskutieren

Bei Geld geht es um Vertrauen. Würdest du lieber von einem Menschen beraten werden, der eine KI nutzt, oder direkt von der KI?

13·Notfallsanitäter:in·Ravensburg (DRK-Pilotprojekt)

KI hilft in der Leitstelle, den Einsatzort zu finden

Im Projekt „112 – KI rettet Leben“ erprobte der DRK-Rettungsdienst in Ravensburg, wie eine KI aus den Angaben von Anrufenden mögliche Einsatzorte eingrenzt. In Testläufen mit erfundenen Notrufen sank die Zahl der infrage kommenden Orte von rund 20 auf drei. Das Projekt lief in einer Testumgebung und ist nicht an die echte Leitstelle angeschlossen.

Quelle: Schwäbische Zeitung (dpa) ↗

Video: WDR – Feuer & Flamme

Hier geht es nicht um KI. Das Video zeigt, wie wichtig die Arbeit in der Leitstelle ist und wo die KI sie unterstützen kann.

Die Maschine

Ortsangaben von Anrufenden mit Kartendaten abgleichen und mögliche Einsatzorte vorschlagen.

Der Mensch

Entscheiden, welche Hilfe losgeschickt wird, Anrufende am Telefon beruhigen, am Einsatzort Menschen versorgen, in Sekunden Lage und Gefahr einschätzen und Verantwortung tragen.

Zum Diskutieren

Eine KI kann Orte eingrenzen. Wer sollte bei einem Notruf am Ende entscheiden, und warum?