Was mir beim Bauen aufgefallen ist
Studium oder Ausbildung – was ist eigentlich sicherer vor KI? Das war die Frage, die mich zu diesem Tool gebracht hat. Und meine Vermutung ging eher in die andere Richtung, als man erwarten würde: Handwerk trifft es am wenigsten. Da geht es um echte Hände, echte Werkstoffe, echte Räume – das übernimmt kein Modell einfach so. Die eigentlich unbequeme Frage ist doch: Lohnt sich ein Studium überhaupt noch, wenn Sprachmodelle immer zuverlässiger akademische Texte schreiben, Code produzieren, Analysen liefern – also genau die Dinge, für die man früher jahrelang studiert hat?
Also habe ich angefangen, Aufgabe für Aufgabe durchzugehen. Erst für 35 Berufe, dann für 24 Studiengänge, am Ende fast 500 einzelne Aufgaben. Und je mehr ich kalibriert habe, desto klarer wurde: Ein Studium ist nicht automatisch die sicherere Wahl. Der Bildungsweg selbst sagt fast nichts darüber aus, wie gut du vor KI geschützt bist.
Der Titel entscheidet nicht. Die Aufgabe entscheidet.
Jura und BWL – zwei Studiengänge, die man eher selten mit Automatisierungsangst verbindet. Und trotzdem: voller Routine, die KI heute schon gut kann. Standardverträge, Kennzahlen berechnen, Rechtsrecherche. Bei Kanzleifachangestellten gelten laut Clio Legal Trends um die 81 % der Aufgaben als automatisierbar. Bei Anwält:innen selbst sind es nur rund 57 %. Allein das zeigt schon: Innerhalb eines einzigen Berufsfelds kann der Unterschied riesig sein – je nachdem, wer die Aufgabe eigentlich macht.
Auf der anderen Seite: Pflegefachkraft, Erzieher:in, Soziale Arbeit. Alles Berufe bzw. Studiengänge ohne großen akademischen Nimbus – aber mit einem Kern, an den KI nicht rankommt. Da geht es um Vertrauen, um Präsenz, um Verantwortung für einen anderen Menschen. Das lässt sich nicht outsourcen, egal wie gut das nächste Sprachmodell wird.
Die ehrliche Lektion daraus: Es ist nicht der Bildungsweg, der zählt. Es ist, wie viel von dem, was du tatsächlich tust, Beziehungsarbeit oder persönliche Verantwortung ist – und wie viel davon strukturierte, wiederholbare Routine.
Können heißt nicht Machen
Das war mir vorher schon klar, aber beim Kalibrieren von 350 Aufgaben ist es mir noch mal richtig bewusst geworden: Dass eine Aufgabe automatisierbar ist, heißt nicht, dass sie automatisiert wird. Dazwischen stehen Kosten, Recht, Haftung – und schlicht der Wunsch, mit einem Menschen zu tun zu haben. Ein Sprachmodell kann heute einen Pflegebericht formulieren. Heißt das, die Fachkraft wird überflüssig? Nein.
Fast jeder Beruf und jeder Studiengang, den ich mir angeschaut habe, hat beides: stark automatisierbare Anteile und Anteile, die ziemlich menschlich bleiben. Die eigentliche Zukunftsfrage ist meistens nicht „gibt es meinen Job noch“, sondern „welcher Teil meiner Arbeit wächst gerade“.
Was das für dich bedeutet
Wenn du gerade zwischen Ausbildung und Studium stehst: Frag weniger „welcher Weg ist sicherer“ und mehr „was mache ich in diesem Beruf eigentlich den ganzen Tag“. Steckt viel Vertrauen, Präsenz oder Verantwortung für andere Menschen drin? Dann bist du vermutlich gut aufgestellt – unabhängig davon, ob davor ein Ausbildungs- oder ein Studienzeugnis stand.
Sortier ein paar Aufgaben selbst durch – bei einem Beruf oder einem Studiengang, der dich interessiert – und schau, wo du mit dem Modell übereinstimmst und wo nicht. Genau diese Meinungsverschiedenheiten sind der spannendste Teil.
Woher die einzelnen Zahlen und Quellen kommen, steht ausführlich auf der Methodik-Seite. Und wie dieses Tool selbst mit KI gebaut wurde – inklusive der Stellen, an denen ich der KI widersprechen musste – steht auf der Entstehungs-Seite.
Bis zum nächsten Mal, Euer Max